-12 Monate mit Dresdens berühmtester Brücke -

Tom Pauls: Diese Brücke ist Bindeglied zweier Lebensformen.

Generell bin ich ja ein Kind der Pleiße, also aus Leipzig - nun aber schon viele Jahre hier in Dresden, weil ich mich verliebt habe, in die Frau meiner Wahl und in die Gegend. Dazu gehört unmittelbar auch das „Blaue Wunder“. Es ist ein faszinierendes Bauwerk - Lebensader und Brücke zwischen zwei Lebensformen; dieser der Blase- und jener der Loschwitzer. Blasewitz hat eher was Großstädtisches, ist Verkehrsknotenpunkt, auch die Straßenbahn fährt hier - die Geschäfte des Schillerplatz - wobei die Losch-witzer Seite eher was Italienisches hat. Man glaubt in Loschwitz vergeht die Zeit langsamer. Obwohl ich noch nicht lange auf dieser Seite wohne, kann ich das bestätigen. Das „Blaue Wunder“ einmal zu besteigen, hat schon etwas ganz Eigenes. Aus dieser Perspektive einmal auf die Brücke zu schauen, auf die unzähligen Stahlträger und Querverbindungen - und doch wirkt sie eher filigran und verbreitet einen ganz eigenen Charme. Dieser Ausdruck des Lebenswillens, dieser Lebensader, aber auch die Legende, wie sie vor der Sprengung gerettet wurde - das schwingt alles mit. Und als ich da mit hoch bin, fühlte ich mich als was Besonderes, muß ich mal sagen, da hoch gehen zu dürfen! Und alle, denen ich das erzählt hab´, waren ganz neidisch und ham´gesagt: „Das würde ich auch gern mal machen!“ Die Blickachsen, die man da hat, haben etwas Erhabenes - diese Wendeltreppe da hoch, aber auch etwas Schwindel erregendes. Dabei - es ist gar nicht so hoch, aber dieser Blick - man sieht plötzlich die Fahrbahn nicht mehr, sieht man nicht mehr den Fußweg - sondern man blickt nur noch in den Himmel und auf den Fluss da unten. Ein schönes Erlebnis - werd´ ich nie vergessen.